Die Ehen des Propheten Muhammad (teil 1 von 2): Phasen des Lebens

Der Prophet Muhammad war eine religiöse und politische Figur, deren Mission darin bestand, die verschiedenen Stämme speziell auf der arabischen Halbinsel und allgemein auf der ganzen Welt unter einer Religion zu vereinen. Als ein Vorbild, dem die Welt folgen soll, sind das Leben und die Entscheidungen des Propheten Muhammad diejenigen, von denen der größte Nutzen gezogen werden kann und die höchste Weisheit widerspiegeln. Seit der Zeit der Offenbarung lebte der Prophet ein Leben unter der direkten Aufsicht des Schöpfers. Daher stand er unter dem Schutz Gottes davor, jeglichen Irrtum in der Schilderung der Religion und der korrekten Lebensweise zu begehen. Jede einzelne seiner Taten sollte nachgeahmt werden, denn Gott sagte über ihn:


“Fürwahr, du verfügst über einen edlen Charakter.”

Der Prophet war ein Mann, der eine Mission hatte und seine Sorgen waren nicht die der normalen Menschen. Aus diesem Grund muss man auf die Beweggründe achten, aus denen der Prophet bestimmte Entscheidungen im Laufe seines Lebens getroffen hatte. Während manche von ihnen leicht anwendbar zu sein scheinen, sind andere für diese Tage und Zeiten ungewohnt. Wenn man dementsprechend Dinge aus seinem Leben mit den heutigen Maßstäben misst, kann dies zu falschen Schlussfolgerungen ohne jegliche Grundlage oder Beweise führen.


Eine jener Facetten des Lebens des Propheten, die häufig missverstanden, oder ehrlich gesagt ziemlich missgedeutet wird, ist die Tatsache, dass er im Verlauf seines Lebens eine Menge Ehen geschlossen hat. Um die Weisheit darin zu verstehen, muss man eine Fallstudie der verschiedenen Faktoren durchführen, aus denen diese Entscheidung getroffen wurde. Nur dann kann man eine treffende Schlussfolgerung daraus ziehen.


Das häusliche Leben des Propheten kann in vier Stadien eingeteilt werden.


Das erste Stadium

Die ersten zwanzig Jahre seines Lebens war eine Periode des Zölibats. Die Jugend ist normalerweise die Zeit, in der die Menschen unbekümmert werden, wenn die Leidenschaften der Heranwachsenden geschürt werden und durcheinandergeraten, weil Selbstkontrolle noch nicht gelernt wurde. Noch dazu lebte er in dieser Zeit in der arabischen Gesellschaft, die sexuelle Beziehungen nicht einschränkte. Trotzdem führte er ein anständiges, reines Leben, das ihm den Beinamen ‘Amin,’ ‘der Vertrauenswürdige’ einbrachte. Ein Mann, der sich als junger Mensch bereits unter Kontrolle hatte, wird dies höchst wahrscheinlich auch im Alter haben.


Das zweite Stadium

Als er schließlich heiratete, war sie keine Jungfrau, oder auch nur jünger als er. Nachdem er 25 Jahre enthaltsam gelebt hatte, war seine erste Frau 40 Jahre alt und zuvor bereits zweimal verheiratet gewesen. Sie blieben 25 weitere Jahre glücklich verheiratet, bis sie starb, und während dieser Zeit heiratete er keine andere. Nachdem er seine erste Offenbarung erhalten hatte, war sie die erste Person, die an ihn als Prophet Gottes glaubte. Kann es ein großartigeres Zeugnis als das einer 15 Jahre älteren Ehefrau geben, die der erste Mensch ist, der an seinen Aufruf glaubt?


Er hatte auch genug Gründe gehabt, eine andere Frau zu heiraten, während er mit ihr verheiratet gewesen ist:


Erstens, obwohl sie ihm drei Töchter schenkte, gebar sie ihm keine männlichen Nachkommen, die ihre Kindheit überlebten. In einer Gesellschaft, die wegen ihrer Bevorzugung männlicher Kinder, weibliche Babies tötete, war dies tatsächlich eine harte Prüfung. Seine Gegner verhöhnten ihn sogar nach dem Tod seines zweiten Sohnes. Gott allerdings wies sie zurecht:

Wahrlich, der dich haßt, ist es, der (vom Segen der Nachkommenschaft) abgeschnitten ist.” (Quran 108:3)


Zweitens war er ein überaus gutaussehender Mann. Einer seiner Gefährten beschrieb ihn:

‘Ich begann, ihn anzusehen und den Mond, er trug einen roten Mantel und er schien mir schöner zu sein als der Mond.’[1]


Drittens war Polygamie bei den Frauen jener Zeit weit verbreitet und gesellschaftlich anerkannt. Es gab keine gesellschaftlichen Hinderungsgründe, die ihn davon abgehalten hätten, eine andere Frau zu nehmen. Er hätte mit Leichtigkeit eine jüngere, hübschere Frau heiraten können, aber das tat er nicht. Als er nach Khadiǧas Tod gezwungen war, wieder zu heiraten, wählte er eine andere Witwe.


Viertens boten ihm die Götzendiener von Mekka Reichtum, Gold- und Silberschätze, die Herrschaft und sogar die schönsten Frauen zur Heirat an, wenn er nur aufhörte, zu predigen, aber er lehnte ab. Er sagte:


“Selbst wenn sie mir die Sonne in meine Rechte und den Mond in meine Linke legten, werde ich meine Sache nicht aufgeben, bis Gott mich erfolgreich sein läßt oder bis ich sterbe.”[2]

Könnte dies die Antwort eines Mannes sein, der der fleischlichen Lust ergeben ist oder dem Ruf Gottes?


Das dritte Stadium

Nachdem er den (körperlichen) Frühling seines Lebens hinter sich gebracht hatte, schloss er Ehen mit mehr als einer Frau in der Zeit von 2 A.H. - 7 A.H. (623-628 nChr). Dies geschah im Alter von 55 und 60 und alle Ehen wurden aus uneigennützigen Gründen geschlossen. Es waren Jahre der Kriege für die junge muslimische Nation, in der sich die Muslime verteidigen mussten, um ihre Leben und ihre Religion zu schützen. Dabei wurden Hunderte von Gefährten getötet, hinterließen Witwen und Waisen, ohne irgendjemanden, der für sie sorgte. Der Prophet Muhammad setzte ein Beispiel für die überlebenden Gefährten, die Witwen zu heiraten, um sie zu unterstützen, daher waren die Mehrzahl seiner Frauen Witwen. Wenn bloße Lust das Motiv gewesen wäre, wäre seine Wahl nicht auf Witwen oder Geschiedene gefallen.


Der Prophet Muhammad heiratete eine Jungfrau, Aischah, die sehr jung war. Diese Ehe ist die eine, die die meisten Kontroversen unter den Kritikern verursacht, die dem Charakter des Propheten Unsittlichkeit zuschreiben wollen. Er heiratete sie auf Gesuch ihres Vaters, Abu Bakr, der sein engster und frühester Anhänger außerhalb seiner Familie gewesen war. Abu Bakr war von den Gefährten der, den der Prophet am höchsten schätzte und sein vertrautester Freund. Mit ihm wagte er die gefährliche Flucht nach Medina. Warum sollte er unbegründet einen solchen Freund verletzen, indem er ihm seine Bitte abschlug? Aischa war auch die Quelle von vielem, was wir heute von der Sunna des Propheten kennen, ohne die das Vermächtnis von ihm sehr viel ärmer wäre. Auch erfüllte der Prophet einen Befehl Gottes, der lautete, diejenigen, die bereit sind, zu heiraten, zu heiraten, so bald sie bereit sind. Die Erfüllung oder vollständige Eheschließung (Nikah) erfolgte erst drei Jahre nach dem Heiratsvertrag (Verlobung), als sie reif dafür war. Als Kind lebte sie im Haus ihres Vaters, wo Muhammad sie besuchte, häufig auch mit ihr Puppen spielte.


Ein weiterer Grund hinter seinen Ehen war es, Verbindungen zu knüpfen. Indem er in die Familien von Verbündeten mit Schlüsselfunktionen und unterworfenen Feinden einheiratete, leistete er einen Grundbeitrag für die Kooperation zwischen Muslimen verschiedener Stämme. Keine der Frauen, die der Prophet nach Aischa heiratete, konnte was ihre Jugend, ihre Intelligenz oder ihren Wunsch zu lernen angeht, mit Aischa verglichen werden, aber sie alle trugen auf andere Weise zur Stabilität der muslimischen Nation bei. So ein Mann war ein Herr, kein Sklave, seiner Leidenschaften. Seine Eheschließungen zeigen weitsichtige Planungen und mitfühlende Interessen. Wenn es nicht aus diesem Mitgefühl gewesen wäre, dann hätte er gewiss außer Aischa andere ähnliche zu seinen Frauen gewählt, eher als Witwen oder Geschiedene.



Footnotes:

[1] Al-Tirmidhi

[2] Al-Serah Al-Nabaweyyah, Ibn Hesham, vol. 1, S. 265-266

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