Muhammads Biographie (teil 3 von 12): Die ersten Offenbarungen

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1250 2013/12/31 -0001/11/30

Zu jener Zeit begann der Prophet, angenehme Träume zu sehen, die sich bewahrheiteten. Er fühlte ebenfalls ein anwachsendes Bedürfnis nach Einsamkeit und dies führte ihn dazu, sich zurückzuziehen und in den steinigen Bergen, die Mekka umgeben, zu meditieren. Er pflegte sich für einige Tage zurückzuziehen, nahm Versorgung mit und kehrte dann zu seiner Familie zurück, um sich wieder mit Proviant zu versorgen. In der Glut des Tages und während der klaren Wüstennächte, wenn die Sterne scharf genug schienen, um in das Auge einzudringen, wurde sein Wesen mit den ´Zeichen´ der Himmelskörper gesättigt, so dass er da schon als ein durchaus angemessenes Werkzeug einer Offenbarung, die diesen ´Zeichen´ innewohnt, hätte dienen können. Zu jener Zeit wurde er auf eine ungeheuere Aufgabe vorbereitet, die ihm aufgelastet werden sollte, die Aufgabe des Prophetentums und die Übermittlung der wahren Religion Gottes zu seinem Volk und dem Rest der Menschheit.


Spät in einer Nacht des Heiligen Monats Ramadhan, die bei den Muslimen als Laylat-ul-Qadr, die ´Nacht der Bestimmung´ bekannt ist, kam sie.


Der Prophet Muhammad war allein in der Höhle auf dem Berg Hira. Dort wurde er vom Engel der Offenbarung überrascht, Gabriel, derselbe Engel, der auch zu Maria gekommen war, der Mutter von Jesus. Er ergriff ihn und drückte ihn fest. Ein einziger Befehl schlug ihm entgegen: ´Iqra´- ´Lies!´[1] Er sagte: ´Ich kann nicht lesen!´ aber der Befehl wurde noch zweimal wiederholt, und immer antwortete der Prophet das gleiche. Schließlich wurde er von dem Engel mit überwältigender Kraft gepackt. Dann ließ Gabriel von ihm ab und die erste ´Rezitation´des Qur´an wurde ihm offenbart:


“Lies im Namen deines Herrn, Der erschuf. Er erschuf den Menschen aus einem Blutklumpen. Lies, denn dein Herr ist Allgütig, Der mit dem Schreibrohr lehrt, lehrt den Menschen, was er nicht wusste.” (Quran 96:1-5)


So begann die wunderbare Geschichte von Gottes letzter Offenbarung an die Menschheit bis zum Ende der Zeit. Das Zusammentreffen eines Arabers mit einem Wesen aus dem Reich des Unsichtbaren vor vierzehn Jahrhunderten war ein Ereignis von derartig folgenschwerer Bedeutsamkeit, dass es die Menschen auf der ganzen Erde bewegte und die Leben von hundert Millionen von Männern und Frauen beeinflusste, große Städte zu bauen und Zivilisationen zu gründen, mächtige Armeen zugrunde gehen ließ und aus Staub nie gekannte Schönheit und Glanz entstehen zu lassen. Es brachte auch wimmelnde Massen zu den Toren des Paradieses und, nebenbei, zu der glücklichen Aussicht darauf. Das Wort Iqra’ hallte in den Tälern des Hijaz wieder, zerbrach die Form, in der die bekannte Welt geformt war; und dieser Mann allein unter den Bergen nahm auf seine Schultern eine Last auf sich, die die Berge hätte zerfallen lassen, wäre sie auf ihnen gelandet.


Der Prophet Muhammad war vierzig Jahre alt, und er hatte ein Alter der Reife erreicht. Die Wucht dieser gewaltigen Begegnung hat sein Wesen schmelzen lassen. Die Person, die er gewesen war, war wie eine Haut durch das Licht verdörrt und verbrannt, und der Mann, der von dem Berg hinabstieg und Zuflucht in den Armen seiner Frau Khadija suchte, war nicht derselbe, der zuvor hinaufgestiegen war.


In dem Augenblick fühlte er sich irgendwie wie ein Verfolgter. Als er hinabstieg, hörte er eine gewaltige Stimme rufen: ´Muhammad, du bist der Gesandte Gottes, und ich bin Gabriel.´ Er blickte nach oben und der Engel erfüllte den Horizont. Wo auch immer er sich hinwandte, war die Gestalt, unentrinnbar anwesend. Er eilte nach Hause und rief Khadija: ´Bedeck mich! Bedeck mich!´ Sie ließ ihn sich hinlegen, deckte ihn zu und sobald er sich ein wenig erholt hatte, erzählte er ihr, was er erlebt hatte. Der Prophet fürchtete sich. Sie aber gab ihm Sicherheit und tröstete ihn:


“Niemals! Bei Gott, Gott wird dich nie in Ungnade fallen lassen. Du unterhälst gute Beziehungen mit den Verwandten, hilfst den Armen, bedienst deine Gäste großzügig und unterstützt diejenigen, die Schicksalsschläge erlitten haben.” (Sahieh Al-Bukhari)


Sie sah in ihrem Ehemann jemanden, den Gott aufgrund seiner guten Eigenschaften der Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit und Unterstützung für die Armen nie erniedrigen würde. Die erste Person auf der Erdoberfläche, die an ihn glaubte, war Khadija. Sie ging sofort zu ihrem Onkel Waraqa, einen christlichen Gelehrten. Nachdem er den Bericht von dem Erlebnis ihres Ehemannes gehört hatte, erkannte Waraqa, dass er der in der Bibel angekündigte erwartete Prophet war und er bestätigte, dass das, was ihm in der Höhle begegnet war, tatsächlich der Engel Gabriel gewesen war, der Engel der Offenbarung.


“Dies ist der Bewahrer der Geheimnisse (Gabriel), der zu Moses gekommen war.” (Sahieh Al-Bukhari)

Der Prophet erhielt sein restliches Leben weiterhin Offenbarungen, auswendig gelernt und aufgeschrieben von vielen seiner Gefährten auf Schafhäuten und was auch immer sie sonst noch zur Hand hatten.


Der Qur´an oder "Rezitation"

Die Worte, die ihm Gabriel überbracht hat, wurden von den Muslimen geheiligt und nie mit denen, die er selbst gesprochen hatte, vermischt. Die ersten sind das Heilige Buch, der Quran, die letzteren sind die Hadith oder Sunna des Propheten. Denn der Engel Gabriel rezitierte für den Propheten den Qur´an wörtlich, das Heilige Buch ist bekannt als Al-Qur´an, "die Rezitation", die Rezitation des Mannes, der nicht lesen konnte.



Footnotes:

[1] Das Wort ´lies´ im Arabischen bedeutet sowohl lesen, als auch rezitieren.

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