Umar, der Differenzierer (teil 3 von 3): Der Führer der Gläubigen

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1220 2014/03/15 -0001/11/30

Umar Ibn Al Khattab war der zweite Khalif der muslimischen Ummah (Nation), und der erste muslimische Führer, der Führer der Gläubigen genannt worden war.  Nach dem Tod des Propheten Muhammad, wurde dessen engster Freund, Abu Bakr, zu seinem Nachfolger und führte die Muslime etwa zwei Jahre lang.  Als Abu Bakr seinen eigenen Tod nahe fühlte, versammelte er seine engsten Freunde und Berater um sich und kündigte ihnen an, dass ihre Treue ihm gegenüber beendet sei.  Abu Bakr hoffte, dass diese Männer seinen Nachfolger unter sich auswählen würden.  Nach vielen Diskussionen allerdings kamen seine Gefährten zu ihm zurück und baten ihn, zu wählen, denn sie vertrauten seiner Entscheidung ohne Zweifel.  Abu Bakr wählte Umar.

 


Einige der Männer um Abu Bakr herum zeigten sich besorgt, dass Umar, bekannt als ein sehr harter und rauher Mann, zu hart zu den Menschen sei.  Abu Bakr antwortete, indem er sagte, dass er Umar für den besten von ihnen hielte.  Trotz dieser anfänglichen Vorbehalte einiger Männer von Medina, wurde Umar zum zweiten Khalif der Muslime bestimmt.  Er begann seine Herrschaft, indem er sich an die Menschen wandte und sofort seine Erwartungen erklärte.  Umar wusste, dass die Menschen ihn wegen seinem harten Ruf fürchteten, und er ging auf dieses Thema ein.   

 


Er sagte: “O ihr Menschen, ihr wisst, dass ich ernannt worden bin, um eure Angelegenheiten zu regeln, erkennt, dass meine Rauhigkeit jetzt geschwächt ist, aber ich werde weiterhin rauh sein zu den Unterdrückern und Übertretern, und ich werde ihre Wangen in den Schmutz[1] werfen.  Ihr sollt wissen, dass ich auch meine eigene Wange in den Schmutz werfen werde, um die Menschen der Frömmigkeit zu verteidigen.”


Umar fuhr damit fort, den Menschen zu erklären, dass er nichts von dem nehmen werde, was ihre Länder produzierten und nichts von der Kriegsbeute, außer dem, was Gott vorgeschrieben hat, und dass er das Geld nur auf eine Weise verwenden werde, die Gott zufrieden stelle.  Umar war sich der Wichtigkeit von finanzieller Gerechtigkeit völlig bewusst, und dass er für jeden Penny oder Dirham, der der muslimischen Ummah gehörte, zur Verantwortung gezogen werden würde.  Umar teilte den Menschen auch mit, dass er ihre Gehälter und Provisionen erhöhen und die Grenzen beschützen würde.   

Die junge muslimische Nation, für deren Entstehung der Prophet Muhammad, Gottes Segen und Frieden seien mit ihm, und seine Gefährten so hart gearbeitet hatten, war eine Ummah, die keines gleichen kannte.  Jedem Mitglied der Ummah wurden Vergütungen aus der muslimischen Schatzkammer gezahlt; es war nicht nötig, ein Beamter zu sein, der Reichtum der ständig wachsenden Nation wurde gerecht geteilt.  Umar hat dies nicht eingeführt, er hat lediglich den Weg seiner Vorgänger weiter verfolgt, aber er hat versprochen, die Zahlungen zu erhöhen.

 


Umar versprach ebenfalls, keine muslimischen Armeen in die "Vernichtung" zu schicken, solange die entsprechenden Risiken nicht abgewogen und als annehmbar erachtet wurden.  Er versprach, die Soldaten nicht für längere Zeit von ihren Familien fernzuhalten, und er sicherte den Männern zu, dass während sie für die muslimische Ummah kämpften, und falls sie nicht zurückkehrten, er, der Khalif, der Vater ihrer Kinder und Versorger ihrer Frauen sein werde.  Umar war der Meinung, die Rolle des Führers bestehe darin, das Volk zu schützen.

 


Dieses Konzept scheint uns heutzutage ziemlich ungewöhnlich, wenn wir Präsidenten und Premierminister sehen, die von Bodyguards umgeben und bereit sind, jeden überzutrampeln, um sich selbst und ihre Macht zu schützen.  Umar Ibn al Khattab hatte, obgleich er der Führer eines Reiches gewesen ist, hatte er nie das Gefühl gehabt, einen Leibwächter zu benötigen.  Er ging wie ein normaler Bürger durch Medinas Straßen, sogar in der Nacht.  Tatsächlich ging er gerade nachts durch die Straßen, um nach denen zu sehen, die unter seinem Schutz standen und um unerkannt Almosen zu verteilen.

 


Eines der Jahre von Umars Regierung wurde als Jahr der Asche bekannt.  Dieses Jahr war eine große Prüfung für die muslimische Ummah.  Es war eine Zeit der Dürre und der Hungersnot, als der Wind so heiß war, dass er die Haut verbrannte, als enthielte er heiße Asche.  Fleisch, Butter und Milch waren nicht erhältlich und die Menschen existierten von wenig mehr als trockenem Brot, das manchmal in Öl getaucht wurde.  Umar schwor einen Eid, dass er nichts essen oder trinken werde, was seinem Volk nicht zugänglich war.  Selbst als Lebensmittel auf den Märkten wieder zu haben waren, lehnte Umar es ab, sie zu überhöhten Preisen zu kaufen.  Es wurde gehört, dass er sagte: “Wie kann ich um meine Untertanen besorgt sein und sie verstehen, wenn ich nicht die gleichen Leiden durchlebe, die sie durchmachen?”

 


Mehr als vierzehn Jahrhunderte nach seiner Regierung erinnert man sich an Umar noch immer als Mann der Gerechtigkeit.  Auf den Grundprinzipien der Gerechtigkeit, Gnade und Mitgefühl des Islam aufbauend, behandelte Umar alle unter seiner Sorge stehenden gleich, egal ob Reiche oder Arme, Schwarze oder Weiße, Mächtige oder Schwache.  Er fürchtete immer, dass Gott ihn über seine Taten befragen würde.  Er machte sich Sorgen, dass es unter den Gläubigen Kranke oder Arme geben könnte, für die er nicht ausreichend gesorgt hatte.  Umar ibn Al Khattab hat nie Richter oder Statthalter eingesetzt, die ein Verlangen nach so einer Stellung ausgesprochen haben, sondern er wählte bedacht die frommsten Mitglieder der Ummah aus.   

 


Umar betrachtete sich selbst als einen einfachen Muslim, aber die Geschichte verrät, dass er alles andere als einfach gewesen ist.  Umar war stark, körperlich und geistig, er war großzügig, edel und führte ein Leben in Demut.  Umar folgte den Fußspuren seines geliebten Propheten Muhammads, Gottes Segen und Frieden seien mit ihm, er folgte seinem Beispiel und hielt seine Traditionen aufrecht.  Umars ganzes Wesen war darauf konzentriert, Gottes Wohlgefallen zu erreichen; er fürchtete die Bestrafung Gottes, aber er hatte Hoffnung auf das Paradies.  Umar war in der Lage, zwischen Wahrheit und Falschheit zu differenzieren, er fühlte Schmerzen, wenn die Ummah oder eines ihrer Mitglieder litt, und er freute sich, wenn die unter seiner Sorge stehenden zufrieden und glücklich ihren Herrn anbeteten.  Umar war einer der vier rechtgeleiteten Khalifen.  Selbst heute noch ist er ein Vorbild an Stärke, Gerechtigkeit, Liebe und Gnade. 



Footnotes:

[1] Dies war ein Ausdruck, den die Araber jener Zeit verwendet haben, um eine rauhe Antwort zu betonen, die keinem Zweifel daran läßt, dass die Unterdrückung anderer und die Übertretung ihrer Rechte nicht toleriert werden würde. 

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