Voraussetzungen der Pflichtabgabe

  1. Besitz eines Mindestvermögens, d.h. der Muslim, der zur Entrichtung der Pflichtabgabe verpflichtet ist, muss einen Mindestumfang an Geld oder an Vermögen besitzen. Dieser Umfang beträgt umgerechnet 85 Gramm Gold. Das bezieht sich auf Gold, Silber, Banknoten und auf Handelswaren; für das Vieh gelten andere Kriterien.
  2. Dieses Vermögen muss ein ganzes Jahr im Besitz der Person gewesen sein. Wenn dieses Geld oder Vermögen bei einem Muslim weniger als ein Jahr bleibt, so ist er nicht verpflichtet, die Abgabe dafür zu entrichten. Für Getreide zahlt man die Abgabe erst dann, wenn es reif ist, für Obstfrüchte hingegen, wenn sie nach dem Anschein gut zu sein versprechen. Das islamische Gesetz bestimmt es, wem diese Pflichtabgabe gegeben werden muss. So sagt der Qur`an:

(Die Almosen sind bestimmt für die Armen, die Bedürftigen, die, die damit befasst sind, die, deren Herzen vertraut gemacht werden sollen, die Gefangenen, die Verschuldeten, für den Einsatz auf dem Wege Allahs und für den Reisenden. Es ist eine Rechtspflicht von seiten Allahs. Und Allah weiß Bescheid und ist Weise.)   (Qur´an 9:60).


   Der zu entrichtende Prozentsatz ist 2.5%. Der Islam will mit der Pflichtabgabe die Beseitigung der Armut und ihrer gefährlichen Folgen, wie Diebstahl, Raub, Mord, Überfall usw., aus der islamischen Gesellschaft erreichen. Ferner bezweckt der Islam damit, Solidarität und gemeinschaftliche Verantwortlichkeit zu fördern. Der Prophet warnt vor Egoismus und Gleichgültigkeit gegenüber fremdem Leid, indem Er sagt:

“Wer eine Speiseware 40 Nächte monopolisiert, der sagt sich von Allah los und von dem sagt Allah Sich los. Und es gibt keine Bewohner eines Ortes, unter denen ein Mensch seinen neuen Tag hungrig beginnt, ohne dass sich Allah von ihnen lossagt.“[1] 

 

Der Unterschied zwischen der Pflichtabgabe und der Steuer ist, dass der Muslim die Abgabe in Zufriedenheit, ohne Zwang oder Druck zahlt. Sein Kontrolleur dabei ist sein eigenes Gewissen, sein eigener Glaube, sein Herz, das fest daran glaubt, dass sie gezahlt werden muss. Die Bezeichnung Zakat bedeutet im Arabischen die Reinigung der Seele, so dass der Reiche sich des Geizes, der Raffgier und der Habsucht entledigen wird und sein Herz von der Liebe zum Irdischen und zu den weltlichen Genüssen befreien kann. Denn mit diesen schlechten Eigenschaften vergisst man die Leiden und die Nöte der Armen und Bedürftigen. Deshalb sagt uns der Qur`an:

(Und diejenigen, die vor ihrer eigenen Habsucht bewahrt bleiben, das sind die, denen es wohl ergeht.) (Qur´an 64:16).


   Ebenfalls trägt Zakat wesentlich dazu bei, dass die Herzen der Armen und Bedürftigen keinen Neid, keinen Hass mehr gegen die Reichen tragen, wenn sie sehen, dass die Reichen die Abgaben zahlen, die ihnen Allah auferlegt hat und dass diese Reichen für den Unterhalt, die Pflege und für menschliche Lebensbedingungen der Armen sorgen.

   Die Texte des islamischen Gesetzes warnen davor, dass man sich weigert, die Pflichtabgabe zu zahlen. So sagt Allah der Erhabene:

(Diejenigen, die mit dem geizen, was Allah ihnen von Seiner Huld beschert hat, sollen nicht meinen, das sei besser für sie. Nein es ist schlechter für sie. Am Tag der Auferstehung wird ihnen das, womit sie gegeizt haben, als Halskette umgelegt werden.) (Qur´an 3:180).


Der Prophet  sagt auch dazu:

“Es gibt keinen Menschen, der Gold oder Silber hat, ohne dass er die auferlegte Abgabe dafür zahlt, dem nicht am Tag der Auferstehung aus seinem Gold oder Silber Platten gemacht werden, auf denen er im Feuer gequält wird, so dass seine Körperseiten, Rücken und Gesicht damit verbrannt werden. Und sobald sie kalt werden, werden sie wieder erhitzt. Dies an einem Tag, deren Länge fünfzig Tausend Jahre währt, bis zwischen den Menschen gerichtet wird, und dann sieht dieser Mensch seinen Weg zum Paradies oder zur Hölle.”[2]



[1] Musnad Ahmad. Bd. 2. S. 33. Hadith nr. 4880.

[2] Muslim. Bd. 2. S. 680. Hadithnr. 987.

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